Die Sache mit dem Bleistiftspitzen

In: Anekdoten
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Vor kurzem berichtete mir ein Freund von einem Erlebnis aus dem Wahnsinn, den er Tag für Tag im Großraumbüro erlebt: Neulich forderte seine Chefetage von den Untergebenen, doch bitte selbst Initiative zu zeigen, unnötige Ausgaben zu vermeiden, und so Geld einzusparen.

Einige Zeit nach dem Aufruf flüchtete er am Tisch eines Ingieneurskollegen vorbei, dem gerade Bürobedarf geliefert wurde. Ein junger Mann vom Zulieferer stand dort mit einer Sackkarre und einem großen Karton darauf.

Verwundert fragte dieser, ob die Bestellung denn richtig sei: Er solle hier einen ganzen Karton mit Bleistiften abliefern.

Der Kollege bejahte, und mein Freund konnte es sich nicht nehmen lassen und fragte nach, was er denn mit so vielen Bleistiften machen wolle.

„Weißt du“, sagte er, „nach dem Aufruf habe ich mir überlegt, woran ich sparen könnte. Dazu habe ich mir notiert, wie häufig ich einen Bleistift benötige. Dann habe ich die Zeit gemessen, wie lange das Anspitzen eines Bleistiftes dauert. Schließlich habe ich ausgerechnet, was ich die Minute an Gehalt bekomme beziehungsweise die Firma koste.“

„Und?“

Der Kollege berichtete dann, was ein Bleistift die Firma kostet—und was ein ganzer Karton davon, und wie viel der einzelne Bleistift damit noch günstiger wäre. Sein Fazit:

„Es ist deutlich günstiger für unsere Firma, wenn ich jedesmal einen neuen, angespitzen Bleistift aus dem Karton nehme, als wenn ich den alten anspitze. Zeit sparen wir dadurch auch noch.“ sagte er.

Bevor mein Freund darauf etwas sagen konnte, war bereits nach der auffälligen Lieferung der Chef der beiden dazugestoßen, dem der Weg zum Karton voller Bleistifte noch mal stolz präsentiert wurde.

Er war sprachlos, und wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte, und fragte vorsichtig nach, was er sich denn dabei gedacht hatte.

„Initiative zeigen und Geld sparen.“

Formell hatte das für seinen Kollegen übrigens keine Konsequenzen. Nur: „Genau das Thema wird noch mal auf den Tisch kommen“, erzählte mir mein Freund. „Allerdings anders als geplant.“