Das Sichere zu tun ist nicht dasselbe wie das Richtige zu tun

Von Abwehrentscheidungen und dem Mut zum Risiko.

Zwei Minuten Lesezeit. Veröffentlicht am 23. November 2018.

„Es war nicht die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, erzählte mir mal ein Freund, „aber es war die vertretbarste.“

Was er damit meinte war, dass er eigentlich gerne eine andere Wahl getroffen hätte, sich aber für etwas entschieden hatte weil es die allgemein vertretbare Wahl gewesen ist. Wenn seine an sich bevorzugte Wahl schließlich keinen guten Ausgang gehabt hätte, dann wäre er in Erklärungsnot geraten, weil diese Wahl eben nicht „normal“ war. Und auf der anderen Seite, wenn diese Wahl einen guten Ausgang gehabt hätte, hätte er sich scheinbar keinen Vorteil verschafft.

Ein gutes Ergebnis wurde also gerade mal erwartet, aber ein schlechtes Ergebnis hätte einige Konsequenzen für ihn gehabt. Wahrscheinlich wäre seine Entscheidung eine andere gewesen, wenn er die Verantwortung dahinter erkannt und übernommen hätte. Da er es aber nicht tat wollte er vor allem sich selbst schützen: In asymmetrischen Beziehungen sind Entscheidungen wie diese Abwehrentscheidung und schützen die Person, die diese Entscheidung trifft.

Auf den ersten Blick erscheinen Abwehrentscheidungen irrational. Sie sind allerdings sehr rational, wenn du dir die Asymmetrie vor Augen hältst. Diese Asymmetrie erlaubt dir einen Einblick, warum sich zwischenmenschliche Beziehungen hin bis zu ganzen Kulturen selten ändern.

Einige Entscheidungen bringen dich in Situationen, in denen das Ergebnis kaum Vorteile und dafür massive Nachteile haben kann. In diesen Fällen erscheint es dir, als würde es ein hervorragendes Ergebnis sein, wenn sich etwas ein klein wenig ändert, ein gutes Ergebnis eher nichts ändern, und schon ein nur schlechtes Ergebnis unangenehme Konsequenzen für dich haben.

Es ist nur verständlich warum wir dazu neigen die sichere Wahl zu treffen. Wenn du etwas tust das anders ist—und damit schwer zu verteidigen—, und es trotzdem funktioniert, scheint es dir, als hättest du viel riskiert um wenig zu erreichen. Und wenn du etwas tust, das anders ist, und es nicht funktioniert, stehst du schnell alleine da.

Diese Asymmetrie erklärt warum du, obwohl wir so gerne darüber reden unkonventionell zu sein, außerhalb der Box zu denken oder gar außerhalb der gesellschaftlichen Normen zu handeln, letztlich doch den Status Quo beibehältst statt Dinge wirklich zu verändern. Warum solltest du schließlich riskieren, wie ein Idiot dazustehen, nur weil du etwas anders gemacht hast? Dich zu schützen ist wesentlich einfacher, und sich dafür zu entscheiden, was „normal“ ist, schützt dich schließlich davor verantwortlich gemacht zu werden wenn die Dinge nicht so laufen wie erwartet. Du kannst dich von deiner Entscheidung distanzieren, wenn es eine allgemein vertretbare war, und dich so vielleicht vor den Konsequenzen eines schlechten Ergebnisses schützen.

Das Sichere zu tun ist nicht dasselbe wie das Richtige zu tun. Das Hauptproblem mit der sicheren Entscheidung ist, dass sie selten Wachstum, Innovation, persönliches Vorankommen oder eine Art von Erfüllung mit sich bringt. Du quetschst damit nur mehr aus dem Selben. Auf kurze Sicht ist die sichere Entscheidung die, die dir Sicherheit und Stabilität bringt, und langfristig die, die sich negativ auswirkt.

Wenn du keine Risiken eingehst, hörst du auf Gelegenheiten zu erkennen. Denn wenn du dich schließlich nicht für nur ein wenig Weiterkommen diesem Risiko aussetzen, wie willst du wirklich wachsen? Letztlich passieren diese kleinen Erfolge häufiger als die negativen Konsequenzen. Und egal wie, wenn du Angst vor den negativen Konsequenzen hast, welches Niveau von Risiko ist akzeptabel? Es ist nicht so, dass dich die sichere Wahl zu einem schlechten Menschen macht. Aber ein Leben voller sicherer Entscheidungen behindert dich in deinen Gelegenheiten, und letztlich auch in deinem persönlichen Wachstum und deiner Erfüllung.

Du kannst dich weit voran bringen und mit anderen wachsen, wenn du es dir und anderen Menschen erlaubst Risiken einzugehen, und sie und dich nicht für jedes negative Ergebnis bestrafst.