Prioritäten leben

Wenn alles dringend ist, ist nichts dringend.

Vier Minuten Lesezeit. Veröffentlicht am 20. November 2018.

Du bist viel zu beschäftigt. Viel zu viele Dinge wollen deine Aufmerksamkeit. Die Deadline morgen bei der Arbeit. Das viel zu oft klingelnde Telefon mit irgendwelchen Benachrichtigungen. Das Essen, das noch vorbereitet werden muss. Die Serie, die noch zu Ende geschaut werden will. Menschen, die dich deiner Zeit berauben.

Die meiste Zeit verbringst du mit dringenden Dingen. Alles muss sofort und heute erledigt werden, und du kannst es nicht auf morgen verschieben. Oder es fühlt sich zumindest so an.

Und das Ergebnis davon? Du vernachlässigst und vergisst die wichtigen Dinge und machen Platz und opferst das wertvollste überhaupt, deine Zeit, für die dringenden Dinge. Auch wenn du das nicht bewusst tust; es hat sich eingeschlichen.

Und dann übernehmen die dringenden Dinge deine Zeit und dein Leben. Du wirst fett und träge. Deine Familie und Menschen, denen du und die dir wichtig sind, beschweren sich, dass du ihnen nicht mehr so Nahe stehst. Deine Lebensziele rücken immer weiter in die Ferne. Du weißt, dass etwas gehörig falsch läuft, aber nicht so recht was. Schließlich gibst du dir Mühe.

Und wie du dir Mühe gibst. Nur, dass die „dringenden“ Dinge wie der Kampf gegen die Hydra erscheinen: Kaum löst du ein Problem tauchen an seiner Stelle zwei neue auf. Das bringt dich nicht weiter. Wenn alles dringend ist, ist nichts dringend.

Was dir allerdings hilft: Dein Leben von „dringenden“ Dingen zu befreien, Platz für die wichtigen Dinge zu machen und sie zu verteidigen, und dich das so näher an die Ziele und das Leben bringt, das du führen willst.

Du hast ein Problem mit deinen Prioritäten. Wie kannst du sie setzen—und umsetzen?

Prioritäten setzen und umsetzen

Deine eigenen Prioritäten kannst du mit Aufrichtigkeit dir selbst gegenüber in fünf Schritten herausfinden und konsequent und vehement umsetzen:

Eine Pause nehmen

Du musst dir zuerst eine Pause nehmen und über dein Leben nachdenken. Was ist dir wichtig, was möchtest du erreichen? Wie würdest du dein Leben gerne führen? Was auch immer es ist: das musst du dir aufschreiben.

Die Idee, die du schon immer verwirklichen wolltest? Aufschreiben. Gesund sein, werden und bleiben? Aufschreiben. Mehr Zeit mit Menschen verbringen, die dir wichtig sind? Aufschreiben. Vielleicht ganz andere Ziele im Leben verfolgen? Aufschreiben.

Du musst dabei ehrlich zu dir selbst sein, darfst keine Rücksicht auf andere oder dich selbst nehmen, und die Dinge aufschreiben, die dir wichtig sind; die Dinge, die dich in zehn Jahren stolz auf dich selbst sein lassen.

Es geht nicht darum, ob diese Dinge jetzt in diesem Augenblick durchführbar oder erreichbar sind. Es geht darum die Dinge aufzuschreiben die dir wirklich wichtig sind; Dinge, denen du ein klares „Ja“ gibst. Alles andere ist ein klares „Nein“.1

Wenn du dabei zehn oder mehr Dinge aufschreibst, dann verwechselst du wahrscheinlich die dringenden mit den wichtigen Dingen. Letztlich sind dir meist nur eine Hand voll von Dingen wirklich wichtig, und ganz praktisch kannst du ohnehin nicht mehr folgen.

Analyse: Was du jeden Tag tust

Was tust du eigentlich jeden Tag, den ganzen Tag? Um das zu wissen musst du das ebenfalls aufschreiben. Dabei brauchst du nicht zu sehr ins Detail zu gehen, solltest dafür allerdings nicht so allgemein wie „Arbeiten“ formulieren (vielleicht das, womit du dich generell bei der Arbeit beschäftigst), sondern in dem Rahmen, dass du jeweils die damit verbundene Intention erkennen kannst.

Welche dieser Punkte decken sich mit deinen Prioritäten? Die musst du besonders hervorheben: Das sind die Dinge, die dir wichtig sind und denen du bereits deine Zeit schenkst. Alles andere ist „nur“ dringend, oder sind Dinge, die du nicht mehr tun solltest.

Weg mit dem Dringenden

Als nächstes musst du alles Dringende entfernen, und alles andere an Unordnung beseitigen. Egal was du annimmst welche Konsequenz sich daraus ergeben.2

Einige „dringende“ Dinge müssen aus deinem Leben entfernt werden. Einige „dringende“ Dinge kannst du delegieren. Einige „dringende“ Dinge kannst du besser organisieren und sammeln, damit du sie an möglichst wenigen Tagen in der Woche abarbeiten und sie dich nicht in deinem Tagesablauf immer wieder unterbrechen und stören.

Den Plan testen

Jetzt, wo du einen neuen Blick auf deinen Tagesablauf hast, gilt es seine Freiheit zu erfahren. Dazu musst du diesen neuen Tagesablauf eine Woche lang konsequent und vehement durchziehen, und schließlich ein Fazit für dich ziehen, wie und was funktioniert, und was nicht.

Vielleicht stellst du fest, dass du die eine oder andere Aufgabe besser nicht delegieren solltest, dafür allerdings einige andere Dinge komplett aus deinem Leben entfernt werden können. Dementsprechend musst du deinen Plan überarbeiten.

Es wird ein paar Wochen dauern, bis du alles Unnötige aus deinem Leben entfernt hast, bis du getestet hast, was bleiben kann oder muss oder besser gehen sollte, was delegiert werden kann, oder eben besser organisiert werden kann.

Ständig Handeln: Mehr wichtige Dinge im Leben einbinden

Wenn dein Plan nicht nur steht sondern du ihn bereits umsetzt, gilt es, ihn mit den wichtigen Dingen, die du vorher aufgeschrieben hast, zu füllen.

Auf deinen Plan gehören jetzt die Dinge, die sich mit diesen Prioritäten decken und die du dafür tun musst. Dabei solltest du realistisch bleiben: Wenn du gerne ins Fitnessstudio gehen würdest, du dir allerdings trotz der neuen Planung schlicht nicht die Zeit nehmen kannst, dann gehört das für den Moment nicht auf den Plan.

Stattdessen solltest du dich erstmal auf die Dinge konzentrieren, bei denen du dir sicher bist, dass du sie auch umsetzen kannst, egal wie klein oder nichtig sie dir erscheinen mögen. Nur weil du vielleicht denkst, dass du an fünf Tagen in der Woche ins Fitnessstudio gehen sollten, bedeutet das nicht, dass du damit ab kommendem Montag anfängst.

Ein praktikablerer, nachhaltiger Weg ist es, wenn du zunächst etwas tust, das sich in der Nähe dessen befindet, wo du dich befindest, und dahin ausgerichtet ist, wo du stehen willst. Wenn du jeden Tag dreißig Minuten etwas für deine Gesundheit tun willst, und du aktuell bei Null stehst, kannst du trotzdem mit fünf Minuten täglich anfangen: Diese fünf Minuten am Tag sind näher an dem, wohin du willst, als null Minuten am Tag.

Wenn du dich sofort auf deine großen Ziele stürzt wirst du sehr wahrscheinlich mehr auf dich nehmen als du zu dem Zeitpunkt vertragen kannst. Zu schnell hörst du dann auf deine dir wichtigen Dinge zu verfolgen, und entmutigst dich dadurch selbst.

Schließlich ist Veränderung ein stetiger Prozess. Wenn du dir zum Beispiel vornimmst, dich für den Rest deines Lebens sportlich zu betätigen, dann spielt es keine Rolle, ob du es heute, morgen oder erst in einem Jahr schaffst: Es macht keinen Unterschied wenn du irgendwann 80 bist und dich dann noch immer sportlich betätigst.

Nach der Konsequenz, deinen Plan zu folgen und ihn regelmäßig kritisch zu überprüfen und anzupassen, und ihn vehement zu verteidigen und auszuführen, ist Geduld dabei ein wesentlicher Faktor. Deine täglichen Handlungen mit dem überein zu bringen, was dir wirklich wichtig ist, bringt dich letztlich dahin, wo du sein willst.

  1. Das kann auch andere Menschen betreffen, auch wenn das unbequem erscheint, sowohl in dem, wie sie mit dir umgehen, als auch wie du mit ihnen umgehst. Wenn du bei anderen Menschen keine Priorität hast, sollten sie niemals welche bei dir haben. Es gibt allerdings einen wunderbaren Umkehrschluss, der gleichzeitig die (einzige) Ausnahme im Leben mit Prioritäten ist: im Umgang mit anderen Menschen, bei denen du und sie bei dir Priorität haben. Wenn es ihnen wichtig ist, dann nimmst du dir die Zeit, egal was deine Umstände sind. Sonst verprellst du die einzigen Menschen, die diesen Weg mit dir gehen. ↩︎
  2. Mit Annahmen liegst du ohnehin fast immer falsch, also kannst du sie auch bleiben lassen. ↩︎