Warum veröffentlichen?

In: Menschen
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Eine Freundin fragte mich neulich:

Wieso ist es so unglaublich wichtig, dass man seine Sachen [die man geschrieben/gemalt/komponiert hat] veröffentlicht? Wieso kann man nicht für sich malen etc.?

Das habe ich mich vor kurzem selbst erst kritisch gefragt. Ein kleiner Teil von mir fragt sich das zwar auch noch immer, denn es ist irre schwer, von dieser Einstellung loszukommen, aber ich habe vor, das vollständig hinter mir zu lassen, und alles zu veröffentlichen.

Aber warum? Warum können wir das Gedicht, das Bild, die Melodie nicht einfach nur für uns behalten, und sollten es stattdessen veröffentlichen?

Weil es um uns selbst geht: Wenn wir unser Werk niemandem zeigen, dann ist es nicht passiert. Es wird sonst nicht zur sozialen Wirklichkeit, selbst wenn wir vielleicht glauben, dass es uns egal ist, was andere darüber denken.

Wir haben endlich geliefert: Es gibt keine Ausreden mehr, vor allem uns selbst gegenüber, wie nee, ist noch nicht fertig, oder ist doof, oder ist hässlich (dass sich alles fast immer mit ist mir peinlich zusammen fassen lässt).

Wir können unser Werk nicht mehr ändern, und es bekommt eine Bedeutung, die sich der eigenen nach und nach entzieht. Es ist uns nicht mehr möglich, dass wir uns länger hinter einem Ausdruck unseres Wesens, unseres Ichs verstecken, indem wir es, und damit uns, vor der Welt verstecken. Mehr noch, wir können uns nicht mehr vor uns selbst verstecken. So können wir darauf aufbauen, und das nächste Werk erschaffen.

Zwangsläufig trifft man durch die Veröffentlichung natürlich auf Menschen, die einem das eigene Werk vor Augen halten. Sie können es scheiße finden (dann hat man einen Orientierungspunkt, was auch immer man daraus macht), oder sie können es vielleicht auch toll finden (was genauso ein Orientierungspunkt sein kann). Das wird uns häufig genug nicht leicht fallen und uns unangenehm sein, und wir haben vielleicht sogar Angst davor verletzt zu werden.1 Aber wie sonst wollen wir erkannt werden für das, was wir sind? Wir sind schließlich das, was wir tun, aber die Bedeutung davon können wir uns nicht selbst beimessen.

Denn einher damit geht der innere Monolog, den wir uns häufig genug selbst halten, wenn wir durch die Welt gehen: klar kann ich das auch. Wenn wir etwas sehen, hören, oder lesen, und wir uns denken, das könnte ich auch, oder zuhause habe ich das doch auch. Oft genug haben wir ein Gefühl von Eifersucht, dass einen dabei überkommt. Ja, wir könnten, oder wir hätten. Haben wir dann aber am Ende des Tages nicht. Es ist ja nicht wahr geworden.

Ich hatte vor einiger Zeit How to stop sucking and be awesome instead von Jeff Atwood gelesen, das er in den folgenden drei Punkten zusammen fasst, und gut zu dem Thema passt:

  1. Embrace the Suck
  2. Do It in Public
  3. Pick Stuff That Matters

Mir sind meine alten Texte noch immer irgendwie unbequem. Und trotzdem ärgere ich mich, dass ich nicht früher zu ihnen gestanden und sie veröffentlicht habe. Das hätte mir einen professionelleren Umgang mit meinen eigenen Texten schon viel früher erlaubt: In der vertanen Zeit habe ich ein wenig verlernt zu schreiben.

Auch deshalb mache ich das in aller Öffentlichkeit. Und nebenbei ist einer der schönsten Effekte, dass man ein wenig Verantwortung für die eigenen Handlungen übernimmt.

Lesetipp

  1. Es zu veröffentlichen bedeutet ja nicht, dass man es jedem unter die Nase reiben muss. Oder überhaupt sollte.