Das Sichere zu tun ist nicht dasselbe wie das Richtige zu tun

In: Leitideen, Menschen, Vorgehen
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„Es war nicht die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, erzählte mir mal ein Freund, „aber es war die vertretbarste.“

Was er damit meinte war, dass er eigentlich gerne eine andere Wahl getroffen hätte, sich aber für etwas entschieden hatte weil es die allgemein vertretbare Wahl gewesen ist. Wenn seine an sich bevorzugte Wahl schließlich keinen guten Ausgang gehabt hätte, dann wäre er in Erklärungsnot geraten, weil diese Wahl eben nicht „normal“ war. Und auf der anderen Seite, wenn diese Wahl einen guten Ausgang gehabt hätte, hätte er sich scheinbar keinen Vorteil verschafft.

Ein gutes Ergebnis wurde also gerade mal erwartet, aber ein schlechtes Ergebnis hätte einige Konsequenzen für ihn gehabt. Wahrscheinlich wäre seine Entscheidung eine andere gewesen, wenn er die Verantwortung dahinter erkannt und übernommen hätte. Da er es aber nicht tat wollte er vor allem sich selbst schützen: In asymmetrischen Beziehungen sind Entscheidungen wie diese Abwehrentscheidung und schützen die Person, die diese Entscheidung trifft.

Auf den ersten Blick erscheinen uns Abwehrentscheidungen irrational. Sie sind allerdings sehr rational, wenn man sich die Asymmetrie vor Augen hält. Diese Asymmetrie erlaubt uns einen Einblick, warum sich zwischenmenschliche Beziehungen hin bis zu ganzen Kulturen selten ändern.

Einige Entscheidungen bringen uns in Situationen, in denen das Ergebnis kaum Vorteile und dafür massive Nachteile haben kann. In diesen Fällen erscheint es uns, als würde es ein hervorragendes Ergebnis sein, wenn sich etwas ein klein wenig ändert, ein gutes Ergebnis eher nichts ändern, und schon ein nur schlechtes Ergebnis unangenehme Konsequenzen für uns haben.

Es ist nur verständlich warum wir dazu neigen die sichere Wahl zu treffen. Wenn wir etwas tun das anders ist—und damit schwer zu verteidigen—, und es trotzdem funktioniert, scheint es uns, als hätten wir viel riskiert um wenig zu erreichen. Und wenn wir etwas tun, das anders ist, und es nicht funktioniert, stehen wir schnell alleine da.

Diese Asymmetrie erklärt warum wir, obwohl wir so gerne darüber reden unkonventionell zu sein, außerhalb der Box zu denken oder gar außerhalb der gesellschaftlichen Normen zu handeln, letztlich doch den Status Quo beibehalten statt Dinge wirklich zu verändern. Warum sollten wir schließlich riskieren, wie ein Idiot dazustehen, nur weil wir etwas anders gemacht haben? Uns zu schützen ist wesentlich einfacher, und sich dafür zu entscheiden, was „normal“ ist, schützt uns schließlich davor verantwortlich gemacht zu werden wenn die Dinge nicht so laufen wie erwartet. Wir können uns von unserer Entscheidung distanzieren, wenn es eine allgemein vertretbare war, und uns so vielleicht vor den Konsequenzen eines schlechten Ergebnisses schützen.

Das Sichere zu tun ist nicht dasselbe wie das Richtige zu tun. Das Hauptproblem mit der sicheren Entscheidung ist, dass sie selten Wachstum, Innovation, persönliches Vorankommen oder eine Art von Erfüllung mit sich bringt. Wir quetschen damit nur mehr aus dem Selben. Auf kurze Sicht ist die sichere Entscheidung die, die uns Sicherheit und Stabilität bringt, und langfristig die, die sich negativ auswirkt.

Wenn wir keine Risiken eingehen hören wir auf Gelegenheiten zu erkennen. Denn wenn wir uns schließlich nicht für nur ein wenig Weiterkommen diesem Risiko aussetzen, wie wollen wir wirklich wachsen? Letztlich passieren diese kleinen Erfolge häufiger als die negativen Konsequenzen. Und egal wie, wenn wir Angst vor den negativen Konsequenzen haben, welches Niveau von Risiko ist akzeptabel? Es ist nicht so, dass uns die sichere Wahl zu einem schlechten Menschen macht. Aber ein Leben voller sicherer Entscheidungen behindert uns in unseren Gelegenheiten, und letztlich auch in unserem persönlichen Wachstum und unserer Erfüllung.

Wir können uns weit voran bringen und miteinander wachsen, wenn wir es uns und anderen Menschen erlauben Risiken einzugehen, und sie und uns nicht für jedes negative Ergebnis bestrafen.