Den nächsten Schritt gehen wenn man ein Wachstumsplateau erreicht

In: Menschen, Vorgehen
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Als ich für einen Risikokapitalgeber arbeitete hatten wir einen einfachen Schlüsselindikator, wenn wir uns nach potenziellen Investments bei (Web-)Startups umsahen: Wenn sie mehr als 50.000 aktive Nutzer hatten, dann war’s wert einen genaueren Blick darauf zu werfen.1

Diese Websites waren schließlich groß genug, um eine Idee oder zwei von Wachstum und seinen Implikationen zu haben, von Finanzierung, von community management und mehr, und dennoch hatten die meisten ein „Wachstumsplateau“ erreicht. Die Gründer und Betreiber konnten von ihren Websites leben, allerdings wuchs ihre aktive Benutzerbasis aus diversen Gründen nicht mehr, und auf lange Sicht würden diese Websites dann nicht nur nicht mehr wachsen, sondern schließlich auseinander fallen und in Bedeutungslosigkeit verschwinden, oder von der Konkurrenz überholt werden, oder beides.

Falls sie den nächsten Schritt gehen wollten—bedeutenden Marktanteil erlangen, Vermögen erwirtschaften, Einfluss als Firma gewinnen und Reichtum als Personen anhäufen, dann müssten sie ihre aktive Nutzerbasis erweitern (einhergehend mit den Grundvoraussetzungen dafür, wie Angestellte und IT). An der Stelle würde das dann meist exponentiell passieren, und die bestehenden Ressourcen schneller auffressen als sie finanziert werden könnten, so dass die Betreiber eine Art von Überbrückung benötigen würden. Und da setzten wir an.

Natürlich waren Websites wie diese leichte Ziele und schnell gemachtes Geld. Sie bedeuteten meist kein substantielles finanzielles Risiko, da es reicht einfach im Vorfeld zu bestimmen war, ob sie kurz davor waren das Plateau zu erreichen, gerade ankamen, oder bereits ihren Zenit überschritten hatten. Erstere versprachen eine solide Rendite wenn wir ausstiegen.2 Die Risikokapital-Szene hat sich inzwischen verändert, die Art—und das Timing—von Investments haben sich geändert, und das erste Plateau zu erreichen, auch wenn es noch immer harte Arbeit ist, bedeutet weniger als zuvor dass die Website mit Hilfe von außen zu einem langfristigen Erfolg wird. Nichtsdestotrotz: Das Plateau ist noch nicht verschwunden und ist eine Wirklichkeit für viele Websites und Unternehmen.

Dementsprechend hat mich die Metrik der 50.000 aktiven Nutzern, oder eher ihre Implikation, noch immer im Bann. Ich habe das Plateau immer wieder gesehen und angetroffen, bei vielen Websites, Unternehmen, und sogar bei persönlichen Schicksalen mit ihrer kritischen aktiven Nutzerzahl, nur um sie ebenso gefangen zu sehen in einem Teufelskreis vom Erreichen und Herunterfallen dieses Plateaus, immer und immer wieder.

Wenn man sich in dieser Situation wie dieser—auf einem Plateau—wieder findet, wo es aussieht, als gäbe es eine solide Basis, als hätte man ein Ding am laufen, und man dennoch nicht voran kommt, dann sollte man sich fragen: Wie ist man überhaupt da gelandet? War es eine Idee, eine Erfindung, eine Innovation, ein neues Produkt? Oder war es eine Niche, die man besetzen konnte, die noch nicht so besetzt war, als man anfing? War es ein Hobby, von dem man irgendwann leben konnte? Wohin will man gehen, wo will man sein?

Wenn man ein Produkt oder eine Innovation hat, dann hält ein meist das Tagesgeschäft davon ab, es weiter zu entwickeln oder neue Innovationen zu finden, und damit das Plateau zu verlassen. Wenn man in einer Niche ist, die man fand, dann gibt es jetzt mehr Wettbewerb als zuvor, die einem in einem Land von Plateaus beiwohnt, und es damit für alle schlimmer macht.

Eine Entscheidung wird fällig, abhängig davon, von wo man kommt, und wohin man will. Mit einem Produkt oder einer Innovation muss man es oder sie analysieren, verbessern, und neu machen: simpel, offen, und zugänglich für andere, und andere dazu einladen. In einem Nischenmarkt müssten Leistungen drum herum erbracht und Wertschöpfung hinzugefügt werden, und ein Lebensstil angesprochen werden anstelle eines Segmentes. Das muss für andere Nischen wiederholt werden, und diese zusätzlich auf einer anderen Website vereint werden.

Und für beides gilt: Sich ständig neu erfinden, die Website, das Unternehmen. Es muss getan werden was getan werden muss, und die Ausrichtung ständig angepasst. Und wenn man schließlich in der Position ist geliefert zu haben, dann wird es Zeit, sich auf das nächste Ziel zu stürzen, bevor man wieder auf dem Plateau verharrt.

Die Entscheidung wird schmerzvolle Konsequenzen haben, und es wird nicht einfach sein. Nur ist dabei im Kopf zu halten, dass es nie eine Option sein kann, den Status Quo aufrecht zu erhalten—denn dann passiert folgendes: nicht immer den nächsten Schritt zu gehen und nicht immer das nächste Paradigma anzusteuern wird zwangsläufig zum Verderben führen. Vielleicht kann man derzeit davon leben, nur gibt es da keine Sicherheit mehr.

Früher oder später, wenn man es nicht selbst tut, wird jemand sein Plateau verlassen und einen selbst abhängen.

  1. Es waren einfacherer Zeiten, natürlich! 

  2. Im Nachhinein haben externe Investments, auch wenn sie mit dem entsprechenden Schritt helfen, das Problem dieser Websites einfach nur auf ein höheres Plateau gehoben—aber eben noch immer ein Plateau.