Eine Art Manifest

In: Vorgehen
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Wir stehen kurz vor einem Wendepunkt. Technologie hat sich in nur wenigen Jahrzehnten massiv weiter entwickelt, und wird den Menschen in nicht allzu ferner Zukunft überholt haben. Noch geben wir ihr den Sinn, haben uns dabei aber von ihren Versprechen und Verheißungen so blenden lassen, dass wir uns bereits jetzt unbemerkt zu ihren Sklaven haben machen lassen.

Denn als Menschen haben wir uns nicht verändert. Wir lassen uns permanent durch Tablets und Smartphones ablenken, und sind ständig verfüg– und erreichbar. Wir sind von Natur aus faul und übernehmen ungern Verantwortung, und werden darin in jeder erdenklichen Weise durch Technologie positiv verstärkt. Unser Herdentrieb und unser merkwürdiges Verständnis, Bekanntheit mit Berufung und nötiger harter Arbeit zu verwechseln, lässt uns unreflektiert das und dort konsumieren, wie und wo es auch alle anderen tun. Wir denken nicht mehr nach und zitieren auf Knopfdruck. Schließlich beruhigen wir unser Gewissen, indem wir etwas liken.

Ich verteufele keine Technologien, im Gegenteil. Auch nicht die Menschen. Technologien sind schließlich nichts ohne, und ausschließlich die Intentionen, die man ihnen gibt. Wir sollten ihnen nur andere geben.

Und anstatt mich bloß darüber zu beschweren, möchte ich durch meine Gedanken, Reisen, und Erfahrungen praktische Anleitungen geben und auch durch meine Geschichten den einen oder anderen zündenden Gedanken initiieren, wie wir Technologie mit ihren jetzigen Heilsversprechen und ihren Befürwortern und Antreibern dieser Form entkommen können, und ein Leben erweitert und verbessert durch sie führen können.

Ich möchte Berichte, Anekdoten und Geschichten über diese technologische Entwicklung und unser Mensch–sein teilen. Mein Weg soll sein, Weisheiten der Vergangenheit mit Erkenntnissen der digitalen Ära zu vereinen.

Glaube nicht, dass ich als jemand spreche, der lehrt—Ich spreche als jemand, dessen Worte ihn selbst aburteilen.

Theophanes der Mönch

Der Stand der Dinge

Ich habe den aktuellen Stand von Online–Publikationen satt. Vor gerade mal zwei Jahrzehnten war das Internet noch ein unerkundetes Terrain. Es wurde durch Pioniere erforscht. Sie hatten keine Regeln, keine Vorlagen, keine einfachen und schablonenhaften Geschäftspläne, und erst recht keine Vorstellung davon, ob ihre Unternehmungen jemals zu irgendetwas führen würden. Sie hatten kein bezahlbares hosting, keine drag & drop content management Systeme, und keine trivialen und trivialisierenden Suchmaschinen. Aber was sie hatten, war viel mehr: unglaubliches Talent, und unglaublichen Willen.

Was das damalige Netzwerk ausmachte war die Größe, die Anonymität, und die Neuheit, wie mit irgendwem irgendwo sofort in Verbindung getreten werden konnte. Wenn man Neuland für sich beanspruchen wollte, musste man es erschaffen, und es deshalb auch wirklich wollen. Das blog gab es nicht einmal (auch wenn schon daran gedacht wurde), und es gab keine „5 Minuten Installation“ von WordPress, mit der man einfach loslegen konnte. Man musste per Hand programmieren, oder sein eigenes CMS erschaffen.

Und wenn man so weit war, gab es keine Suchmaschinen, die Inhalte automatisch erfassten. Es gab keine Suchmaschinenoptimierungen, die vielleicht einen Vorteil verschafft hätten. Es gab kein Google. Eine Website musste man an durch Menschen verwaltete Verzeichnisse schicken, die die Website sowohl on– als auch offline veröffentlichten (mit einigem Glück). Um gute Websites zu finden, musste man jemanden kennen, der jemanden kannte. Man brauchte menschliche Verbindungen.

Eine Website war viel persönlicher als jetzt, viel ehrlicher, mit weniger Schnickschnack und Bling Bling.

Ich sage nicht, dass WordPress oder andere CMS bescheuert sind. Ich sage nicht, dass Google nutzlos ist (auch wenn viele SEO-Idioten sich Mühe geben, dass es das wird). Ich benutze diese Privilegien ständig und täglich. Was ich aber sage ist, dass solche Werkzeuge uns sehr stark darin unterstützt haben, uns nicht mehr Mühe zu geben, bemerkenswert oder großartig zu sein. Sie haben die menschlichen Verbindungen zerstört, die das Beste vom Internet zusammenhielten.

Mittelmäßigkeit regiert nun, das Geräusch übertrumpft das Signal, die Besten ertrinken im Meer der Lautesten. Es ist so viel leichter geworden, laut als großartig zu sein. Und während Websites von damals sich inzwischen wie Geheimbünde anfühlen, sind heutige Websites meist nur noch massenproduzierter Marketing–Müll, und ihre geheime Verbindung nichts mehr als uninspirierte, unambitionierte Algorithmen und Mutmaßungen auf Googles Servern.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Google+ verstärken das weiter, und unsere Faulheit trägt dazu bei: Hier ein Link, da ein Bildchen und ein Video. Wir haben verlernt, uns konstruktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen oder es gar zu durchdenken, und verbreiten überwiegend nur noch das, was uns Toplisten vorsetzen. Weil es alle anderen tun ist gleichermaßen Grund und Rechtfertigung.

Das kann es nicht sein.

Was ich tun will und wie ich es tun werde

Ich behaupte nicht, dass früher alles besser war, und das Rad der Zeit zurück gedreht werden sollte. Menschen sind wie sie sind, und das hat Technologie, wie das Internet, nur unterstrichen und hervorgehoben. In den Anfangszeiten des Internets waren die Massen nur einfach nicht da, die das gezeigt haben, sondern eben die Pioniere. Ich habe außerdem auch vor, den Komfort des modernen Internets beizubehalten.

Mir ist auch klar, dass ich nicht alle Menschen ändern kann (und wenn ich es könnte, sollte ich es nicht), und wahrscheinlich nicht mal viele. Aber ich glaube daran, dass jeder Mensch, der sich seinem Handeln und seinen Konsequenzen daraus bewusst ist, ein Gewinn für alle darstellt.

Für Menschen, die auf diesem Weg sind, möchte ich Inhalte schaffen. Ich werde dafür keinen long tail fokussieren, und ich werde sie nicht für Suchanfragen aufbereiten. Was ich erschaffen will, soll entweder besonders sein, oder bisher ungelesen. Das hat das Ziel, dass ich:

  • nur die Menschen anziehen möchte, die sich wirklich für das interessieren, was ich schreibe, erschaffe, und anbiete.
  • nur die Menschen anspreche, mit denen ich gute, tiefe, und lange Gespräche führen kann.
  • nur die Menschen auf mich aufmerksam mache, die durch meine Inhalte und Ideen auf mich aufmerksam wurden, und nicht durch Werbung, durch Suchmaschinenoptimierung, oder sonst wie.

Wie ich das erreichen will

  • Nicht für Suchmaschinen schreiben: Ich schreibe für Menschen. Suchmaschinen sind mir egal. Zwar lasse ich sie diese Website indizieren, aber nur und ausschließlich deshalb, weil ich es als wichtig erachte, auch praktisch für meine Worte einzustehen und so eine Art digitale Verantwortung zu übernehmen, und mich eben nicht zu verstecken.
  • Keine Kommentar–Funktionalität: Ich suche Menschen, die daran Interesse haben, langfristige Gespräche zu führen. Ich möchte, dass ich E–Mails bekomme, die explizit auf Artikel von mir eingehen. Kommentare zu dieser Website sollen nicht durch „Vorbeigehende“ kommen, die nichts anzubieten haben, außer nach dem Kundtun ihrer Meinung einfach wieder abzuziehen.
  • Erst lesen, dann kontaktieren: Ich gehe davon aus, dass wenn mich jemand kontaktiert, das bereits die zweite Handlung ist. Ich möchte zu Gesprächen einladen.
  • Nur auf Inhalte konzentrieren: Ich weiß gar nicht, wie oft ich bereits das Design meiner Blogs geändert habe, oder ganze Blogs gelöscht und neu erschaffen habe, nur, um meinen ästhetischen Idealen gerecht zu werden. Das damalige Internet war potthässlich, und selbst die besten Websites waren eine Beleidigung für jeden (wenn schon nur durch die Technologien, die zur Verfügung standen). Die Pioniere der Online–Publikationen haben sich einfach nicht auf bunte Bilder verlassen, um ihre Qualität zu beweisen. Natürlich will ich durch das Design hier meinen Qualitätsanspruch unterstreichen, aber ich habe mir Mühe gegeben, ein so einfaches Design zu erstellen, dass ich wenigstens ein paar Jahre Ruhe vor mir selbst habe, und mich darauf konzertiere, was wichtig ist: Inhalte.
  • Wenig Eigenwerbung: Wenn ich etwas veröffentliche, werde ich es nur auf minimalstem Wege publik machen: Mündlich, oder bei meinen spärlich genutzten Social Media Accounts. Sollte ich etwas für wirklich großartig halten, dann vielleicht auch bei anderen Websites, von denen ich weiß, dass Inhalte durch Menschen gefördert werden, und nicht durch Algorithmen.

Ich hoffe, dass es mir durch diesen Leitfaden möglich ist, deutlich bessere Inhalte zu erschaffen, und eine wirklich grandiose Leserschaft aufzubauen.