Es ist kein Spiegel, es ist ein Fenster

In: Menschen, Vorgehen
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Die diversen sozialen Werkzeuge, die junge Menschen nutzen, kommen mit ihrer eigenen Etikette und ihren eigenen Regeln, von denen viele an nichts ahnenden Erwachsenen vorbei gehen, die sie viel funktionaler nutzen. Bei Instagram teilt man schließlich Bilder—also scheint es offensichtlich, viele Bilder zu teilen, oder? Falsch.

Um ihre Identitäten und Verpflichtungen in dieser Welt in ihren Taschen zu verwalten, halten sich junge Menschen an Regeln, die von ihren Bezugsgruppen absorbiert und adaptieren wurden. Neulich hat zum Beispiel die Schwester einer Freundin ein paar Videos bei Snapchat veröffentlicht, aber nichts bei Instagram.

Warum die Unterscheidung? „Weil Instagram speziell ist“, erklärte sie. Bei Snapchat, wo Nachrichten verschwinden, kann man weniger kritisch sein, weil die Qualitätskritieren entsprechend niedrig sind. Bei Instagram hingegen muss man aufpassen, dass man die Feeds der Freunde nicht mit weniger guten Bildern vollstopft und sie damit nervt.

Ihre Freundinnen und sie löschen auch regelmäßig ihre Fotos, so dass ihre Profile zu keiner Zeit mehr als nur eine Hand voll Fotos haben. Zum Vergleich hat ein relativ viel Instagram-nutzender Freund von mir ein paar Hundert. Darauf reagierten sie wie auf den Geruch von Müll im Sommer.

„Gerade habe ich keines“, erzählte sie, „weil ich ich mir dachte, nee, auf dem sehe ich doof aus.“

Einige ihrer Regeln beinhalten, dass sie nie mehr als ein Foto in der Woche veröffentlichen, keine Filter benutzen („fake“), und auch keine Hashtags („zu verzweifelt“). Sie selbst versucht besonders, eine guten Zeitpunkt zum Veröffentlichen zu finden—wie den Weltnudeltag—, und ist so besorgt über den richtigen Titel, dass sie eine Liste auf ihrem iPhone pflegt. Keines der Mädchen hat solche Regeln für Facebook, da sie Facebook kaum nutzen.

Die Macher von Apps haben vor dieser Art der Nutzung Angst: Jedesmal, wenn ein Nutzer eine App für eine andere verlässt, besteht die Chance, dass dieser Nutzer nicht wiederkommt. Und da solche Apps in der Regel nur Geld machen, wenn Nutzer sie nutzen und dabei Werbung konsumieren, ist die Nummer der monatlichen Nutzer weniger wichtig als die täglichen Nutzer, und wie lange sie in der App bleiben.

Die Designer/Produktleute bei den sozialen Werkzeugen müssen sehr nahe bei ihrer Wählerschaft bleiben, und verstehen, was ihre Benutzung motiviert, und was eine Hürde darstellt: die Grenzen und was sich beugen lässt.

Zum Beispiel hat Michael Jones (ehemals Userplane, AOL, und MySpace), der Gründer von Wishbone, einem Dienst, dessen Zielgruppe Teenager sind, in einer Fokusgruppen herausgefunden, dass eine der Kernprämissen der App falsch war. Die Teenager-Mädchen wollten so viele Benachrichtigungen wie möglich erhalten, wie wenn zum Beispiel ein anderer Nutzer eine Umfrage beantwortet hat, die sie erstellt hatten. Sie waren nicht daran interessiert, Benachrichtigungen zu minimieren, wie Jones und sein Team erwartet hatten.

Komm nah an das Verhaltensmuster deiner Nutzer heran, oder du schaust nur in den Spiegel.