Lektionen in Vertrauen

In: Menschen, Vorgehen
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Vertrauen ist das stärkste Kapital, das es gibt. Nichts bindet Menschen mehr aneinander. Und dabei ist Vertrauen keine knappe Ressource.

Besonders im Umgang mit Freunden und Menschen die man liebt und von denen man geliebt wird, merken wir, wie sehr es uns Vertrauen ermöglicht, gesund und erwachsen mit ihnen umzugehen, und uns selbst wachsen zu lassen, weil wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen können.

Wenn wir uns fragen, ob unsere Freunde und Partner für uns da sind, ist oft nicht die Frage, ob sie es physisch sind, sondern ob sie es emotional sind. Hören sie uns zu, und unterstützen sie uns? Reagieren sie mitfühlend auf unsere Probleme, Ängste und Sorgen? Interessieren sie sich sich für und sorgen sie sich wirklich um uns?

Vertrauenswürdige Menschen sind in der Lage Rücksicht und Fürsorge gegenüber anderen zu zeigen. Und das bedeutet auch, dass sie uns zutrauen selbst zu entscheiden was am besten für uns ist. Menschen, die uns sagen, was sie denken was am besten ist, oder die uns sagen, dass wir nicht wissen, wie wir uns wirklich fühlen, zeigen uns nur, dass sie uns nicht vertrauen.

In einer gesunden Beziehung können wir darauf vertrauen, dass was auch immer zur Sprache kommt, wir uns darauf verlassen können, dass die Reaktion von unserem Gegenüber uns nicht in unserer Sicherheit bedroht oder uns gar verletzt. Jeder Mensch verdient es solche Beziehungen zu haben in denen Konflikte in einer gesunden und respektvollen Art gelöst werden.

Wenn unsere Freunde und Partner konsistent in dem sind, was sie tun und wie sie handeln, zeigen sie ebenfalls ihre Vertrauenswürdigkeit, die oft schon in kleinen Dingen wie Pünktlichkeit anfängt und sich darin zeigt, private Dinge nur zwischen ihnen uns zu bewahren und die jeweiligen Grenzen zu respektieren. Sie sind starke Hinweise dafür, dass sie zuverlässig sind. Diese Dinge in Beziehungen zu lernen passiert nach und nach, da wir nach und nach zeigen, dass wir konsistent in unseren Handlungen sind, die ganze Zeit, und nicht bloß gelegentlich, und sie so Vertrauenswürdigkeit untermauern.

Auch wenn wir uns nicht fragen müssen ob unsere Freunde und Partner wirklich sagen was sie denken, und tun was sie sagen, beweisen sie uns damit ihre Vertrauenswürdigkeit: Wenn ihre Worte und ihr Verhalten passen. Wenn uns eine Person sagt, dass sie uns liebt, und sie sie sich ausfallend oder gar missbräuchlich uns gegenüber benimmt, dann stimmen ihre Worte und Handlungen nicht. Wenn wir jemanden lieben, dann verletzen wir diesen Menschen nicht.

Ohne Vertrauen, das diesen Versprechen und ihren Handlungen zu Grunde liegt, kommen unsere Beziehungen mit viel Reibung zum Erliegen.

Wie kann man dieses Vertrauen aufbauen—und halten?

Vertrauenswürdig werden: Wir Menschen sind so verdrahtet, dass wir nach vertrauenswürdigen Menschen Ausschau halten, und dass wir andere Menschen testen, ob wir ihnen vertrauen können. Allerdings ist der erste Schritt dabei selbst vertrauenswürdig zu werden. Wenn wir uns Mühe geben ein Mensch zu sein dem andere Menschen vertrauen, dann werden Menschen, denen wir selbst vertrauen, sich in unserer Nähe aufhalten. Wir müssen dafür unsere Versprechen halten: Das sicherste Zeichen einer vertrauenswürdigen Person ist, dass sie ihre Versprechen hält. Selbst kleine oder triviale Versprechen tragen maßgeblich dazu bei, wie andere Menschen uns einschätzen, wie und ob wir die großen Versprechen halten.

Sich an Versprechen an sich selbst halten: Eine der Schwächen von uns Menschen ist es, dass wir auf Tugenden bei anderen Menschen bestehen die wir in uns selbst nicht entwickeln. Verspechen an uns selbst zu halten korreliert mit Willenskraft und Selbstbeherrschung, und diese Tugenden sind unumgänglich und grundlegend um selbst vertrauenswürdig zu sein. Selbst kleine Übungen, wie sich Mühe zu geben pünktlich zu sein, helfen uns nach und nach dabei.

Sich zu wenig verpflichten und mehr liefern: Wir sollten nur Versprechen machen von denen wir wissen, dass wir sie halten können. Oft versprechen wir mehr als das, was wir wirklich liefern können, weil wir wollen, dass uns andere Menschen lieben und respektieren. Nur leider ist einer der schnellsten Wege Liebe und Respekt zu verlieren der, in dem wir unsere Versprechen nicht halten. Es hilft uns selbst, wenn wir jedes unserer Versprechen, dass wir machen, aufschreiben, egal wie trivial es erscheinen mag. Auf diese Weise können wir sie nicht nur „verwalten“, sondern auch für uns selbst ehrlich nachvollziehen, wie gut wir sie wirklich halten.

Bereit sein Versprechen zu machen: Eine der Strategien, die notorisch unzuverlässige Menschen anwenden, ist sich zu weigern überhaupt Versprechen zu machen. Die trügerische Annahme liegt darin, dass wenn man keine Versprechen macht sie schließlich auch nicht brechen kann. Menschen durchschauen diese Strategie in der Regel schnell, und darüber hinaus bewerten wir diese Personen nicht nur als unzuverlässig, sondern auch noch als unentschlossen. Sich zu weigern eine Entscheidung zu treffen ist schließlich auch eine Entscheidung.

Die persönliche Marke schützen: Wenn wir an Marken denken, denken wir oft an etwas, dass zu einem Unternehmen gehört, aber auch wir Menschen haben eine persönliche Marke. Und deshalb sollten wir uns regelmäßig selbst fragen, „Wie betrifft diese Entscheidung meine persönliche Marke?“ Denn alles, was wir tun oder eben auch nicht tun, betrifft diese Marke, und langfristig ist unser Ruf unser wertvollstes Kapital.

Mehrdeutigkeit vermeiden: Nichts untergräbt Vertrauen mehr als Mehrdeutigkeit. Wir nutzen Phrasen wie „Ich werde es versuchen“ um eine glaubhafte Abstreitbarkeit zu gewährleisten wenn wir es nicht schaffen uns an unsere Versprechen zu halten. Viele Probleme rund ums Hörensagen werden durch mehrdeutige Versuche der Beteiligten verursacht, nur damit sie nicht in Verantwortung genommen werden. Wir können sie im Vorfeld dadurch vermeiden, dass die beteiligten Personen im Vorfeld klar und spezifisch kommunizieren, wer wem was zu wann verspricht.

Andere Menschen nicht fragen lassen müssen: Wenn wir andere Menschen dazu bringen, dass sie uns ein Versprechen abringen müssen, dann haben wir bereits die Hälfte unserer Glaubwürdigkeit verspielt. Nichts schafft mehr Vertrauen als unsere Verpflichtungen vorausschauend zu sehen, und sie unaufgefordert zu erfüllen: Eine Schuld, die wir zurück zahlen, bevor sie fällig wird, bringt uns massiv Vertrauen ein.

Kommunizieren: Niemand kann sich an all seine Versprechen halten. Es gibt nur keine Ausrede dafür, dass wir nicht kommunizieren, wenn wir eines vielleicht nicht halten können. Oft vermeiden wir es das zu kommunizieren, weil es uns peinlich ist oder weil wir ungerne zugeben einen Fehler gemacht zu haben. Allerdings führt das nur dazu, dass andere Menschen von uns denken, dass wir nie die Absicht hatten unser Versprechen überhaupt zu erfüllen, und vielleicht sogar schlimmer, dass wir gehofft haben, dass sie es nicht bemerken würden. Deshalb sollten wir regelmäßig über den aktuellen Stand unserer Versprechen informieren: Wenn alles nach Plan läuft, vermeiden wir es, dass sich andere sorgen müssen, und wenn es nicht nach Plan läuft, dass sie so noch Zeit für Alternativen haben.

Hinter das Ziel zielen: Wir können unmöglich vertrauenswürdig im größeren Rahmen sein wenn wir in unserem Alltag bereits unzuverlässig sind. Vertrauen ist keine Strategie oder gar eine Taktik, sondern ein Nebenprodukt dessen wenn wir an uns arbeiten und nach etwas Größerem streben. Und wenn wir umgekehrt Vertrauen nur für seinen egoistischen Nutzwert alleine schätzen, werden wir in unseren Bemühungen scheitern.


Vertrauen ist das stärkste Kapital, das es gibt. Nichts bindet Menschen mehr aneinander. Und dabei ist Vertrauen keine knappe Ressource. Aber auch, wenn Vertrauen keine knappe Ressource ist, ist sie eine sehr zerbrechliche. Einmal verschwendet kann es unter Umständen unmöglich sein, es wieder herzustellen.