Prioritäten leben

In: Leitideen, Menschen, Vorgehen
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Wir sind viel zu beschäftigt. Viel zu viele Dinge wollen unsere Aufmerksamkeit. Die Deadline morgen bei der Arbeit. Das viel zu oft klingelnde Telefon mit irgendwelchen Benachrichtigungen. Das Essen, das noch vorbereitet werden muss. Die Serie, die noch zu Ende geschaut werden will. Menschen, die uns unserer Zeit berauben.

Die meiste Zeit verbringen wir mit dringenden Dingen. Alles muss sofort und heute erledigt werden, und wir können es nicht auf morgen verschieben. Oder es fühlt sich zumindest so an.

Und das Ergebnis davon? Wir vernachlässigen und vergessen die wichtigen Dinge und machen Platz und opfern das wertvollste überhaupt, unsere Zeit, für die dringenden Dinge. Auch wenn wir das nicht bewusst tun; es hat sich eingeschlichen.

Und dann übernehmen die dringenden Dinge unsere Zeit und unser Leben. Wir werden fett und träge. Unsere Familie und Menschen, denen wir und die uns wichtig sind, beschweren sich, dass wir ihnen nicht mehr so Nahe stehen. Unsere Lebensziele rücken immer weiter in die Ferne. Wir wissen, dass etwas gehörig falsch läuft, aber nicht so recht was. Schließlich geben wir uns Mühe.

Und wie wir uns Mühe geben. Nur, dass die „dringenden“ Dinge wie der Kampf gegen die Hydra erscheinen: Kaum lösen wir ein Problem tauchen an seiner Stelle zwei neue auf. Das bringt uns nicht weiter. Wenn alles dringend ist, ist nichts dringend.

Was uns allerdings hilft: Unsere Leben von „dringenden“ Dingen zu befreien, Platz für die wichtigen Dinge zu machen und sie zu verteidigen, und uns das so näher an die Ziele und das Leben bringt, das wir führen wollen.

Wir haben ein Problem mit unseren Prioritäten. Wie können wir sie setzen—und umsetzen?

Prioritäten setzen und umsetzen

Unsere eigenen Prioritäten können wir mit Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber in fünf Schritten herausfinden und konsequent und vehement umsetzen:

Eine Pause nehmen

Wir müssen uns zuerst eine Pause nehmen und über unser Leben nachdenken. Was ist uns wichtig, was möchten wir erreichen? Wie würden wir unser Leben gerne führen? Was auch immer es ist: das müssen wir aufschreiben.

Die Idee, die wir schon immer verwirklichen wollten? Aufschreiben. Gesund sein, werden und bleiben? Aufschreiben. Mehr Zeit mit Menschen verbringen, die uns wichtig sind? Aufschreiben. Vielleicht ganz andere Ziele im Leben verfolgen? Aufschreiben.

Wir müssen dabei ehrlich zu uns selbst sein, dürfen keine Rücksicht auf andere oder uns selbst nehmen, und die Dinge aufschreiben, die uns wichtig sind; die Dinge, die uns in zehn Jahren stolz auf uns selbst sein lassen.

Es geht nicht darum, ob diese Dinge jetzt in diesem Augenblick durchführbar oder erreichbar sind. Es geht darum die Dinge aufzuschreiben die uns wirklich wichtig sind; Dinge, denen wir ein klares „Ja“ geben. Alles andere ist ein klares „Nein“.1

Wenn wir dabei zehn oder mehr Dinge aufschreiben, dann verwechseln wir wahrscheinlich die dringenden mit den wichtigen Dingen. Letztlich sind uns meist nur eine Hand voll von Dingen wirklich wichtig, und ganz praktisch können wir ohnehin nicht mehr folgen.

Analyse: Was wir jeden Tag tun

Was tun wir eigentlich jeden Tag, den ganzen Tag? Um das zu wissen müssen wir das ebenfalls aufschreiben. Dabei brauchen wir nicht zu sehr ins Detail zu gehen, sollten dafür allerdings nicht so allgemein wie „Arbeiten“ formulieren (vielleicht mit was man sich generell bei der Arbeit beschäftigt), sondern in dem Rahmen, dass wir jeweils die damit verbundene Intention erkennen können.

Welche dieser Punkte decken sich mit unseren Prioritäten? Die müssen wir besonders hervorheben: Das sind die Dinge, die uns wichtig sind und denen wir bereits unsere Zeit schenken. Alles andere ist „nur“ dringend, oder sind Dinge, die wir nicht mehr tun sollten.

Weg mit dem Dringenden

Als nächstes müssen wir alles Dringende entfernen, und alles andere an Unordnung beseitigen. Egal was wir annehmen welche Konsequenz sich daraus ergibt.2

Einige „dringende“ Dinge müssen aus unserem Leben entfernt werden. Einige „dringende“ Dinge können wir delegieren. Einige „dringende“ Dinge können wir besser organisieren und sammeln, damit wir sie an möglichst wenigen Tagen in der Woche abarbeiten und sie uns nicht in unserem Tagesablauf immer wieder unterbrechen und stören.

Den Plan testen

Jetzt, wo wir einen neuen Blick auf unseren Tagesablauf haben, gilt es seine Freiheit zu erfahren. Dazu müssen wir diesen neuen Tagesablauf eine Woche lang konsequent und vehement durchziehen, und schließlich ein Fazit für uns ziehen, wie und was funktioniert, und was nicht.

Vielleicht stellen wir fest, dass wir die eine oder andere Aufgabe besser nicht delegieren sollten, dafür allerdings einige andere Dinge komplett aus unserem Leben entfernt werden können. Dementsprechend müssen wir unseren Plan überarbeiten.

Es wird ein paar Wochen dauern, bis wir alles Unnötige aus unserem Leben entfernt haben, bis wir getestet haben, was bleiben kann oder muss oder besser gehen sollte, was delegiert werden kann, oder eben besser organisiert werden kann.

Ständig Handeln: Mehr wichtige Dinge im Leben einbinden

Wenn unser Plan nicht nur steht sondern wir ihn bereits umsetzen, gilt es, ihn mit den wichtigen Dingen, die wir vorher aufgeschrieben haben, zu füllen.

Auf unseren Plan gehören jetzt die Dinge, die sich mit diesen Prioritäten decken und die wir dafür tun müssen. Dabei sollten wir realistisch bleiben: Wenn wir gerne ins Fitnessstudio gehen würden, wir uns allerdings trotz der neuen Planung schlicht nicht die Zeit nehmen können, dann gehört das für den Moment nicht auf den Plan.

Stattdessen sollten wir uns erstmal auf die Dinge konzentrieren, bei denen wir uns sicher sind, dass wir sie auch umsetzen können, egal wie klein oder nichtig sie uns erscheinen mögen. Nur weil wir vielleicht denken, dass wir an fünf Tagen in der Woche ins Fitnessstudio gehen sollten, bedeutet das nicht, dass wir damit ab kommendem Montag anfangen.

Ein praktikablerer, nachhaltiger Weg ist es, wenn wir zunächst etwas tun, das sich in der Nähe dessen befindet, wo wir uns befinden, und dahin ausgerichtet ist, wo wir stehen wollen. Wenn wir jeden Tag dreißig Minuten etwas für unsere Gesundheit tun wollen, und wir aktuell bei Null stehen, können wir trotzdem mit fünf Minuten täglich anfangen: Diese fünf Minuten am Tag sind näher an dem, wohin wir wollen, als null Minuten am Tag.

Wenn wir uns sofort auf unsere großen Ziele stürzen werden wir sehr wahrscheinlich mehr auf uns nehmen als wir zu dem Zeitpunkt vertragen können. Zu schnell hören wir dann auf unsere uns wichtigen Dinge zu verfolgen, und entmutigen uns dadurch selbst.

Schließlich ist Veränderung ein stetiger Prozess. Wenn wir uns zum Beispiel vornehmen, uns für den Rest unseres Lebens sportlich zu betätigen, dann spielt es keine Rolle, ob wir es heute, morgen oder erst in einem Jahr schaffen: Es macht keinen Unterschied wenn wir irgendwann 80 sind und uns dann noch immer sportlich betätigen.

Nach der Konsequenz, unserem Plan zu folgen und ihn regelmäßig kritisch zu überprüfen und anzupassen, und ihn vehement zu verteidigen und auszuführen, ist Geduld dabei ein wesentlicher Faktor. Unsere täglichen Handlungen mit dem überein zu bringen, was uns wirklich wichtig ist, bringt uns letztlich dahin, wo wir sein wollen.

  1. Das kann auch andere Menschen betreffen, auch wenn das unbequem erscheint, sowohl in dem, wie sie mit uns umgehen, als auch wie wir mit ihnen umgehen. Wenn wir bei anderen Menschen keine Priorität haben, sollten sie niemals welche bei uns haben. Es gibt allerdings einen wunderbaren Umkehrschluss, der gleichzeitig die (einzige) Ausnahme im Leben mit Prioritäten ist: im Umgang mit anderen Menschen, bei denen wir und sie bei uns Priorität haben. Wenn es ihnen wichtig ist, dann nehmen wir uns die Zeit, egal was unsere Umstände sind. Sonst verprellen wir die einzigen Menschen, die diesen Weg mit uns gehen. ↩︎
  2. Mit Annahmen liegen wir ohnehin fast immer falsch, also können wir sie auch bleiben lassen. ↩︎