Wollen, Können, Gesellschaft

In: Menschen, Vorgehen
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Ich lese gerne Sachbücher, besonders rund um Strategie, Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung. Wenn ich es allerdings nüchtern betrachte hat mich kein Sachbuch in den letzten 30 Jahren wirklich grundlegend verändert. Einige haben mich Dinge gelehrt, andere lassen mich ihre Autoren zutiefst respektieren, und wieder andere haben mich emotional tief bewegt. Aber wirklich vom Pferd auf der Reise nach Damaskus gehauen? Wohl nicht.

Ich bin 37 Jahre alt, und wenn man mich danach fragen würde, welches Buch mich wirklich verändert hat als ich 19 Jahre alt gewesen bin, dann würde ich wahrscheinlich sagen, „die Hälfte der Bücher, die ich gelesen habe“. Vermutlich ließe sich besser argumentieren, dass diese Bücher meine Denkweise verändert haben, nur war mein Kopf ganz praktisch tabula rasa in dem Alter. Die Bücher haben mir dabei geholfen mich zu entscheiden, und einiges über mich, meine Probleme und meine Motivation verraten (und tun es noch immer).

Wir erwarten vielleicht zu viel von solchen Büchern. Sie werden uns nie „Erleuchtung“ bringen oder uns ändern. So funktionieren wir Menschen leider nicht, wir müssen immer selbst die Erfahrung machen und auf etwas Fundamentales stoßen.

Oft fehlt uns „nur einfach“ der Sinn, das Wissen, was wir wirklich wollen, was wir wirklich können, und was davon gesellschaftlich angesehen ist—und viele innere Unruhen kommen durch die seltene da schwere Vereinbarkeit der drei Pole. Je nachdem, in welche Richtung wir schwenken, unterstützt das die Macken, die man halt so hat (und jeder hat Macken). Die drei Pole sind dabei wie ein Magnet, und ziehen einen immer gerne in eine Richtung, und nehmen einen die Sicht auf die jeweils anderen beiden.

Von nur einem dieser Pole angezogen zu sein ist der Status in dem sich die meisten Menschen befinden. In dem Augenblick aber, wo wir den zweiten Pol betrachten, an ihm arbeiten, ihn verstärken, ändert sich die eigene Sichtweise. Die meisten Menschen, die an dem Punkt sind, fallen schnell wieder auf einen Pol zurück, zum Beispiel weil sie das tun, was beliebt ist, nicht, was ihnen Spaß macht.

Aber auch wenn diese beiden Pole stimmen, ist der dritte Pol noch da, und da setzt die „Erleuchtung“ ein: Wo wir konsequent sein müssen und Abstriche machen, oder sich unser Blick auf die Pole ändert. Ist Machen besser als Können und wo sind wir so weise delegieren zu können? Ist das, was wir wollen, wirklich das, oder nur ein Stellvertreter für etwas anderes? Viele Menschen wollen zum Beispiel Geld, aber verstehen nicht, dass das ein Stellvertreter für andere Dinge ist, wie Reisen, das andere Geschlecht, sozialer Status. Müssen wir das tun, was „der Gesellschaft“ gefällt, oder ist das nur so falsch verstanden, dass es darum geht, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu bringen? Und müssen es alle tun? Aus „Können“ und „Wollen“ ergibt sich ohnehin eine ganz andere Zielgruppe.

Wir ändern uns nicht auf einmal, und unsere Macken werden wir nie, nie los. Wir können nur lernen mit ihnen umzugehen. Es beruhigt zu wissen, woher sie kommen. Allerdings mit ihnen zu leben? Dafür muss man nach vorne schauen und wissen, wo es hingeht—und dazu selbst den Kurs ändern.