Roboter für daheim

In: Zukunft
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Warum Unterhaltungs-Roboter für daheim? Weil ich es spannend und faszinierend finde, wie so ein (erschwinglicher und vor Ort funktionierender) Roboter Realität „wahrnimmt“, sich in ihr bewegt und auf Ereignisse reagiert—wo der Mensch es doch so selbstverständlich tut, ohne wirklich darüber nachzudenken. Solche Unterhaltungs-Roboter sind auch ein kleiner Spiegel: Was wir uns an interaktiver Unterhaltung wünschen, was wir in (tierischen) Begleitern sehen, und was für ein Verhalten wir von ihnen erwarten. Sie sollen uns erkennen, individuell reagieren, Gefühle zeigen, unsere Aufmerksamkeit verlangen aber genauso auf Befehle gehorchen, und dass wir ihnen eben Dinge beibringen können. In ihre Routinen interpretieren wir dann auch zu gerne menschliches Verhalten.

Besonders die autonomen Unterhaltungs-Roboter interessieren mich. Um es vorweg zu nehmen: Da hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel getan, und das wiederum bedeutet: die erschwinglichen selbstständigen sind ein überschaubares Feld, die autarken eine echte Seltenheit (autark im Sinne von „sich selbst mit Strom versorgen“, nicht Strom selbst herstellen).

Es folgt also eine Übersicht von Robotern, die ich bei der Suche gefunden habe, die erschwinglich sind, dabei aber schon recht komplexe motorische Abläufe und, wenn schon nicht autonom dann nicht-triviale Unterhaltung beherrschen, und im Idealfall differenziert programmierbar sind.

Die Roboter

iRobot Roomba

Fange ich direkt mal mit der Ausnahme der Regel an. Denn der erste autonome Roboter, der mir bei meiner Suche begegnete, war der Roomba: Ein Reinigungsroboter, erhältlich als Staubsaug- oder Putz-Einheit. Immerhin, und das finde ich recht beachtlich, gibt es also schon Massenmarkt- und damit Endverbraucher-taugliche automatische Haushaltshilfen. Nicht schlecht. Zudem ist das Ding sogar autark, und begibt sich nach verrichteter Arbeit selbstständig zurück in seine Ladestation, um auf seinen nächsten automatischen Einsatz voll geladen warten zu können. Bemerkenswert ist natürlich der Firmenname „iRobot“, bei dem ich mich frage, ob die Namensgeber das einfach „i“–hip fanden oder tatsächlich etwas aus der Kurzgeschichtenreihe gelesen haben. Auf der anderen Seite: sie bieten auch Militärequipment an. Ab 349 Euro.

BalBots BalBot Advanced

Vielleicht muss ich diesen Roboter nicht so recht verstehen, oder er liefert schlicht nicht die Unterhaltung, die ich meine. Ein eingelaufener Segway, dafür unbemannt. Er balanciert selbstständig, man kann ihn mit einer Menge Sensoren erweitern und selbst programmieren (als Beispielprogramm kann er selbständig Objekten ausweichen). Vielleicht, um im Duett Boxen zu transportieren, um immer das perfekte Stereovergnügen zu bereiten? Fahrende, verfolgende Buchablage? Fernbedienung in greifbarer Nähe? Das wohl aktivste herum stehen. 549 Dollar.

Kondo KHR-3HV

Ein Roboter (wie der BalBot) zum selbst zusammenbauen, der direkt aus einem asiatischen Sci-Fi-Streifen zu kommen scheint. Seine motorischen Fähigkeiten klingen sehr wichtig und hochgradig leistungsfähig—und scheint geradezu dem asiatischen Klischee entsprechend zu Kung-Fu-Bewegungen und anderen (einfacheren) akrobatischen Manövern in der Lage zu sein. Er ist fernsteuerbar, aber ebenso programmierbar, und das auf anspruchsvollerer Ebene. Ob er schon Fußball gespielt hat, weiß ich nicht, mit genug (eigenem) Aufwand jedenfalls könnte er ein kleiner Alleinunterhalter oder der des-Nachbars-Roboter-Plattmacher sein. Auch wenn er also keine Unterhaltung aus der Box liefert: Da man ihn auch selbst zusammen bauen muss, macht der bestimmt auf seine Weise Spaß und wächst einem so ans Herz. Autark kann er wohl aber nicht sein. 869 Euro.

Nuvo Nuvo

Auch eine Ausnahme bildet der Nuvo, der mit seinem horrenden Preis aus der Reihe fällt. Ein anderes Problem ist außerdem, dass nicht so ganz klar ist, was dieser Roboter eigentlich überhaupt tut, außer teuer zu sein, Musik zu spielen, Augen leuchten zu lassen, den Kopf zu drehen, Arme auf und ab zu bewegen… Immerhin sieht er dabei drollig aus, und scheint Gegenständen beim herum laufen auszuweichen—und kann seine Umgebung überwachen, was wohl der „familienfreundliche“ Einsatzzweck sein könnte. 7000 Dollar.

Lego Mindstorms NXT 2.0

Frankenstein(s Monster) für Anfänger! Lego habe ich als Kind geliebt, aber ich weiß nicht, ob mir das Programmieren da schon Spaß gemacht hätte—eben weil ich mir bestimmt lieber einen „fertigen“ Spielkameraden gewünscht hätte, den man Lego-typisch optisch umgestalten kann, als mich erst mit seinem „Denken“ beschäftigen zu müssen. (Kein Kandidat fürs MIT oder Fraunhofer.) Es gibt eine sehr aktive globale Gemeinschaft zu den Mindstorms, was bestimmt einen hervorragenden Einstieg eben in die Programmierung von Robotern bietet. Allerdings unterstelle ich den Lego-Robotern mal prinzipiell nicht so ausgereifte Motorik, was zumindest mir als Konsument den Unterhaltungsfaktor schmälert. 299 Euro.

Multiplex Robonova

Ein weiteres Roboter-Kit, das nicht ganz so bad-ass aussieht wie der Kondo, im wesentlichen aber dieselbe Funktionalität verspricht. Es gibt ein paar interessante Beispiel-Videos, nur solange der—genau wie der Kondo—nicht fröhlich durch die Wohnung stapft, mich erinnert, mich ein wenig zu bewegen, Schuhe zur Seite stellt, die Nachbarin ärgert, für mich ein Buch aus dem Regal holt oder meinetwegen auch nur die Untiefen unter meinem Bett erkundet und von dort berichtet, ist so ein humanoider Roboter nichts für mich. Auch wenn die Mechanik beeindruckend ist, und mich das Programmieren reizt. 639 Euro.

WowWee Roboraptor

Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Robotern ist der Roboraptor wirklich ein Spielzeug (stellvertretend für seine Artgenossen aus der „Robocreatures“-Reihe). Er ist fernsteuerbar, kann aber auch „von sich aus“ die Gegend erkunden, Katzen erschrecken (und langsam verfolgen) und als Bewegungsmelder dienen. Das war’s wohl aber auch schon. Auch nicht so gut: er ist für den Betrieb mit Batterien ausgelegt. 119 Dollar.

Innvo Labs Pleo

Dinosaurier als Roboter sind wohl chic: Hier ist es ein von sich aus die Welt erkundender Roboter (genauer: das gut vorspielt), der erwachsen wird und eine künstliche Persönlichkeit entwickeln kann. Er reagiert außerdem auf andere Pleos—was bestimmt nur zufällig ein tolles Kaufargument für andere Besitzer ist—um mit ihnen zu interagieren. Augenmerk scheint besonders auf den Ausdruck von Gefühlen gelegt worden zu sein. Wohl der (in Produktion befindliche) Roboter, der einem elektronischen Haustier am nächsten kommt. 349 Dollar.

In Erinnerung: Sony Aibo

Der Aibo wird von Sony leider nicht mehr weiter vertrieben und gepflegt, und sei an dieser Stelle deshalb ehrenhalber erwähnt. Mit ihm hatte Sony den ersten Unterhaltungsroboter für den Massenmarkt produziert. Einem Hund nachgebildet kann der Aibo mit seinem Ball spielen, ein paar Tricks beigebracht bekommen, aber auch andere Hunde-untypische Dinge machen (zum Beispiel ein Foto-Tagebuch führen). Außerdem ist er in der Lage, selbstständig seine Ladestation aufzusuchen und zu verlassen (ist das denn so schwer für die anderen)! Eine noch treue Fan-Gemeinde pflegt das Vermächtnis weiter; der Aibo ist schließlich nicht nur erweiter- sondern auch programmierbar. Leider schon nicht mehr ganz so erschwinglich, auch wenn er noch als Neuware erhältlich ist. Ab 1129 Euro.

Und sonst…

Nicht genauer angesehen, aber recht unterhaltsam soll wohl der i-Sobot von Tomy sein (Amazon-Kundenrezensionen), der sich zwischen Spielzeug und anspruchsvollerem Roboter befindet (299 Dollar), aber keinen free roam-Modus hat. Was den geneigten Leser aber wohl wirklich interessiert, natürlich aus rein allgemeinem Interesse: Sex-Roboter. Da verweise ich aber einfach auf einen Artikel bei Spiegel Online, und etwas aktueller bei Telepolis.

Schlussbemerkungen

Hätte ich das Geld „übrig“, würde ich mir einen Aibo kaufen. Mit ihm begann meine Faszination für Schaltkreise auf Beinen daheim, und noch immer scheint er auch von seiner „Art“ her der ansprechendste Roboter zu sein. Der Pleo mit ähnlichen Funktionen ist mir zu sehr Spielzeug. Von den tatsächlichen Möglichkeiten reizt mich der Kondo oder auch Multiplex zwar mehr, aber ich weiß schon jetzt, mit Dank an Thomas, dass dem eben nicht mal so etwas beigebracht ist, dass ihn autonom auftreten lässt, ganz besonders die Dinge, die wir Menschen für so selbstverständlich halten, und für mich Zeitpunkt des Erwerbs, Zeitpunkt der ersten brauchbaren Resultate und aufgewandtes Geld nicht so ganz zu vereinbaren sind. Irgendwann. Und bis dahin habe ich noch einen uralten Robosapien (natürlich „getuned“).