Eine Frage der Nützlichkeit

2019.01.23

Wenn Nützlichkeit die Grundlage von Handlung ist oder Handlung vorausgeht, dann ist sie transaktional. Transaktionale Nützlichkeit ist ein Grundpfeiler von ökonomischem Denken, und ja, damit meine ich: eine Dienstleistung. Das bedeutet: X geben, Y bekommen. Die Erwartungshaltung ist in dem Kontext klar.

Wenn wir transakationale Nützlichkeit im zwischenmenschlichen Umgang als Grundlage nutzen, dann ist das sehr problematisch. Wir setzen sie so ultimativ als Strategie ein, um unsere eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, und wir machen es ohne Aufforderung und vor allem ohne Konsens. Es ist dieselbe versteckte Annahme, die dem Prototyp von „Ich bin so nett zu X, warum erwidert X nicht meine Gefühle“ zugrunde liegt. Es ist extrem übergriffig, und es hat einen Rattenschwanz in seinen Implikationen, der hier weit über diesen Text hinaus geht (insbesondere in den anhängigen Psychopathologien).

Diese Form der Nützlichkeit kann (und muss an der Stelle) ausschließlich ein Dienstleister:innengedanke sein, in einem vertragsähnlichen Rahmen. Es sollte unbedingt klar sein, dass transaktionale Nützlichkeit keine Haltung im zwischenmenschlichen Umgang sein kann; dass sie hier als Selbstanspruch nicht funktioniert und als indirekte Erwartungshaltung qua Erfüllung gewaltvoll ist, sich selbst und anderen gegenüber.

Zwischenmenschliche Nützlichkeit sieht ähnlich aus, ist aber ein Resonanzmodell; ein Feedbackmodell aus aufrichtigem Interesse für andere Menschen und an deren emotionalen Bedürfnisse strukturell gekoppelt; die Nützlichkeit definiert sich aus dem, was hieraus erwidert wird und in Erfüllung gebracht werden darf. Sie ist in dem Sinne ein Eckpfeiler des zwischenmenschlichen Umgangs mit dem inneren Kreis, eine Kompetenz, aber sie ist keine Prämisse, sondern eine Eigenschaft (wie gesunde emotionale Verfügbarkeit und Grenzsetzung unmittelbar in dem Kontext erwachsenes Verhalten sind).

Dienstleister:innen lösen Nützlichkeit (vulgo: der Dinge/Fähigkeiten, die als Akteur:in eingebracht werden) über Verteilung; sie ist im gewissen Sinne adressat:innenoffen und asymmetrisch, also „in den Raum“, und sucht keine Resonanz, sondern einen Abschluss.

Zwischenmenschlich wird Nützlichkeit (vulgo: Resonanzfähigkeit) nicht „gelöst“, weil sie prozessual und nicht an einen Abschluss (meist qua Handlung) gekoppelt ist und eben durch Resonanz funktioniert; das „füreinander da sein“, was sich auf einen geteilten emotionalen Raum bezieht und eben nicht unmittelbar auf Handlung.

Und generell ist Nützlichkeit eine Frage der Weltresonanz und der Selbstwirksamkeit, und verbindet hier beide Aspekte dialektisch. Natürlich gibt es gelegentliche Überschneidungen, die aber oft genau zu Reibungen in Beziehungen führen, wenn sie nicht jeweils in ihrem Kontext gesehen und klar benannt werden.

Den Unterschied zu kennen, ist existenziell. Das eine im anderen Kontext funktioniert nicht.


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